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Start in St. Jean Pied de Port, über die Pyrenäen und durch die Region Navarra
[2.8.2012] Von St. Jean Pied de Port nach Roncesvalles
Die Fußpilger in der Unterkunft scheinen außergewöhnlich früh aufzustehen - durch das Gewusel mit den Rucksäcken war an Schlaf nicht mehr zu denken, also bin ich dann auch, 7 Uhr morgens, gestartet.
Von der Schwierigkeit der Etappe hatte ich mehr befürchtet; vielleicht war das Training bei der vorangegangenen Zugspitztour von Vorteil.
Zwar überwindet man ca. 800 Höhenmeter aufwärts, aber keine besonders steilen Wege. Erst dann, als es bergab ging.
Interessant ist nach dem Überschreiten des höchsten Punktes, nicht weit nach der Rolandsquelle, der plötzliche Wechsel von Heidelandschaft zu dichtem Wald.
Am Ende erreicht man die mächtige Klosteranlage von Roncesvalles. Die Schlafsäle und sanitären Einrichtungen sind hier komplett renoviert, gemütlich und sehr sauber. Abends begann es dort zu regnen, durchgehend bis zum nächsten Tag.
[3.8.2012] Von Roncesvalles nach Pamplona
Morgens in der Dämmerung und bei Nieselregen ging es los - zum Glück hatte ich für den Fall einen Miniponcho dabei, der im Prinzip einer Mülltüte mit 3 Löchern für Kopf und Arme entspricht, dafür aber sehr platzsparend ist.
Der Regen hielt zum Glück nicht lange an. Nach Überquerung einiger Hügel war mittags schon Zubiri mit einer alten Steinbrücke über einen idyllischen Bach erreicht. So früh ist noch Zeit genug, um die nächste Etappe nach Pamplona zu wagen.
Der Nachmittag wurde dann extrem warm. Schweißtreibend wurde der Weg durch die Zementfabrik Magna, dann an einem Bach entlang und zog sich endlos hin - 2 Holländer auf dem Weg meinten, insgesamt wären es 42 km, Marathonentfernung. Das wäre dann mein erster.. Abends geht man sprichwörtlich am Stock. So eine Tagestour muss man auch nicht unbedingt wiederholen.
In Pamplona kurz vor 19 Uhr angekommen, Herberge ist komplett belegt, also etwas anderes suchen, noch eine Tour durch die Innenstadt. Ein Billighotel hatte noch ein Zimmer frei - was für ein Glück bei fast tauben Füßen. An Schlaf war nicht zu denken - das war auch ein Stadtviertel, in dem Freitags abends die Hölle los ist, außerdem nachts extrem warm und schwül, ein kleiner Ventilator im Zimmer half da auch wenig.
[4.8.2012] Von Pamplona nach Puente de Reina
Durch idylische Landschaften mit Windmühlen bei zunehmenden Temperaturen

Wegen der Privatunterkunft mit Einzelzimmer blieb vormittags viel Zeit für eine leichtere Stadttour durch Pamplona ohne Rucksack;
Start der nächsten Etappe nach Puente de Reina um 11 Uhr.
Nach dem Durchqueren einiger Parks ging es außerhalb von Pamplona durch ausgedehnte Sonnenblumen- dann durch Weizenfelder, dann zunehmend bergauf über Schotterwege. Nach mehreren anstrengenden Anstiegen war der höchste Punkt und die Hälfte des Weges erreicht, wo nach den Reihen von Windmühlen zur Stromerzeugung dann am höchsten Punkt, bei Alto del Perdón die berühmte Kulisse von Pilgerfiguren auftauchte.
Die Wanderung bergab zieht sich einige Zeit hin durch mehrere Orte, bis dann Puente de Reina erreicht ist.
Bei der Herberge waren alle Betten belegt bzw. reserviert.. nicht schon wieder, dabei war ich dieses Mal noch halbwegs zeitig angekommen. Diesmal hatte ich aber Glück, die reservierten Betten wurden nicht belegt.
Die Herberge ist mit gemütlichem Aufenthaltsraum, Biergarten, Waschmöglichkeiten und - besonders praktisch für mich - mit frei zugänglichem WLAN außergewöhnlich gut eingerichtet.
[5.8.2012] Von Puente de Reina nach Estella
Puente de Reina hat seinen Namen durch die Brücke am Ende des Ortes erhalten. Weiter auf der Etappe überquert man die Ruine einer Römerbrücke und folgt ein Stück einer alten römischen Straße.
In Estrella angekommen, läuft man an zahlreichen Ruinen vorbei, ehemaligen Kirchen und einer Festung mit Burg und Türmen.
Als nächstes Unterkunftssuche - die Pilgerherberge ist wegen Fiesta um 14 Uhr schon ausgebucht - dann weiter zur Jugendherberge. Der Standard ist weit niedriger als bisher gewohnt, die Duschen haben nur einen Knopf, und zwar heißes Wasser, und das richtig!
Um zu duschen ohne sich zu verbrühen nimmt man dann eine Flasche Kaltwasser in die Dusche zum Mischen.
Die Jugendherberge scheint auch gleichzeitig eine Psychiatrie zu sein - etwas ungewöhnlich, besonders mit der entsprechenden Geräuschkulisse..
Ein abendliches Gewitter ließ zum Glück irgendwann nach, rechtzeitig für einen Stadtbummel zur Fiesta. Abends im Ort findet die Fiesta del Tores statt, mit Musik (kann man so bezeichnen, ist aber hauptsächlich laut) und Feuerwerk.
Ähnlich zu Pamplona wurde ein Stierrennen veranstaltet, aber weniger gefährlich mit einem Feuerwerks-Stier.
[6.8.2012] Von Estella nach Torres del Rio
Kurz nach dem Start kommt man zur Fuente del Vino - dem Brunnen, an dem man wahlweise Wasser oder Wein zapfen kann.
Leider gibt dieser keinen einzigen Tropfen Wein von sich, das Frühstück fällt wohl diesmal aus. Richtig Pech, wenn man hier jetzt seinen Pegel ausgleichen müsste..
Nachtrag: Der Weinbrunnnen ist erst in Betrieb ab 8 Uhr, d.h. zu früh vorbeigekommen.

Die Wanderung führt weiter durch Weizenfelder und Weinplantagen, wenige und kleine Ortschaften.
Eine Sehenswürdigkeit gibt es auf dem Weg, die Kirche Santa Maria in Los Arcos. Scheint eine der wichtigsten Pilgerstätten zu sein und über Jahrhunderte ein hohes Spendenaufkommen zu haben - von der Innenausstattung hatte ich noch nichts Vergleichbares gesehen. Innen komplett vergoldet, alle Seiten mit riesigen, aufwendigen und bis ins kleinste Detail geschnitzte Szenen als Reliefs gestaltet.
Inzwischen in der Pilgerherberge in Torres del Rio angekommen - haben WLAN-Zugang, ein seltenes Glück, und das Bier kostet 1.50 Euro, sehr fairer Preis.
Duschen kann man hier nur mit Kaltwasser.. das ist dann ein Ausgleich zu Estella, wo es nur kochend heiß zur Auswahl gab.

Interessantes und Skurriles..
Der frühe Wandervogel..
Als Langschläfer muss man sich auf dem Jakobsweg extrem umstellen, in St. Jean Pied de Port beginnen die ersten um 5:30 hektisch mit Taschenlampen ihre Rucksäcke zu durchstöbern. Dann bin ich auch irgendwann aufgestanden da an Schlaf nicht mehr zu denken war. Um 6 Uhr wuselten immer noch einige mit Hilfe ihrer Taschenlampen herum, dann habe ich einfach die Zimmerbeleuchtung angestellt, da sowieso alle aufgestanden waren.
In Puente de Reina auch nur Frühaufsteher, 5:30 die Ersten, die sich regen. Dann, ohne Rücksicht auf Langschläfer, stellt jemand um 5:45 die Zimmerbeleuchtung an.
Trinkwasser..
Für die Wanderung hatte ich sicherheitshalber zuerst einen Tagesvorrat von 3 Litern Wasser eingepackt; zuviel, da man in fast jeder Ortschaft und ca. jede 10 km auffüllen kann.
In einen Dorf Richtung Pamplona kam man zuerst an einem Cola-Automaten vorbei, danach an einem Brunnen, neben dem ein großes Hinweisschild in 8 verschiedenen Sprachen angebracht war mit dem Hinweis daß das Wasser nicht chloriert ist und deswegen nicht als Trinkwasser empfohlen. Stört mich aber wenig, fülle meine Wasserflaschen dort auf. In dem Moment fährt ein Polizeiwagen vorbei, hält an und der Polizist erzählt mir, daß man das Wasser nicht verwenden kann, da es nicht chloriert ist und deswegen unhygienisch.
Irgendwie hatte noch gefehlt, daß er einen auf den Cola-Automaten hinweist, der sich nur 10 m entfernt befand.
Verpflegung
Die ersten drei Tage hatten irgendwie eine Packung Scheibenbrot, Salami, ein halbes Baguette und etwas von der spanischen Choriza-Wurst genügt sowie eine Tüte Gummibären.
In Puente de Reina gab es dann ein günstiges Menü, freies Buffet 10,90 Euro all-you-can-eat mit kalt- / warm- Vorspeisen, Hauptgericht, Dessert und eine Flasche Rotwein aus Navarra inclusive. Perfekt, um fehlendes Frühstück & Mittagessen auszugleichen.
Das Problem mit der Wäsche..
Um Gewicht zu sparen, hatte ich wenig Kleidung mitgenommen - jede 3 Tage müsste man waschen können.
In Roncesvalles ging das auch gut im Waschkeller. Nur Trocknen nicht, draußen regnete es, und die im Keller aufgehängte Wäsche war am nächsten Morgen immer noch nass, musste ich dann in eine wasserdichte Tüte packen zum Mitnehmen.
In Pamplona im Zimmer dann die Kleidung etwas verteilt aufgehängt nach Platzmöglichkeit, aber am nächsten Tag immer noch feucht.
Nach 2 Tagen Wanderung fängt die nasse Wäsche schon an unangenehm zu riechen - deswegen nochmal Handwäsche, in Puente de Reina gibt es auch eine Leine zum Trocknen im Garten.
Nächster Morgen, Packen.. Wäsche ist immer noch nicht getrocknet, also wieder in die Plastiktüte damit.
Kurz vor Ende der Etappe bis Estella eine Idee - die Rucksackschlaufen wären praktisch, um Wäsche anzuhängen, quasi als laufender Wäschetrockner. Etwas zu spät, nur zum Teil trocken - nächster Versuch morgen, falls das Wetter es zulässt. Heute Abend fängt es gerade an zu regnen mit Gewitter..