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Von Oberstdorf in Bayern bis Zwieselstein in Tirol
[24.8.2020] Von Oberstdorf zur Kemptner Hütte
Sommer 2020. Pilgern in Spanien, Frankreich oder Italien ist wieder erlaubt. Teils unter strengen Hygieneregeln wie in Spanien, die Maske ist permanent zu tragen, selbst auf den Pilgerwegen abseits der Zivilisation. Beim Betreten jeder Autonomieregion muss man sich bei einer Behörde anmelden. Damit kann man sich arrangieren, doch man durchquert mehrere Regionen und häufig wird eine zum Risikogebiet erklärt. Sitzt man zwischendurch fest, muss man 15 Tage in Quarantäne, kommt irgendwo nicht weiter? Selbst ohne böse Überraschungen wäre man stets mit einem unguten Gefühl unterwegs. Wie wäre es mit Pilgern in Deutschland? Nicht wirklich spannend..
Ich hatte vor einiger Zeit von der E5-Alpenüberquerung gelesen, dies wäre eine Alternative zu den Pilgerwegen. Oberstdorf liegt auch nicht weit entfernt, man erreicht es leicht mit der Bahn und wandert durch Österreich, in dem zu dem Zeitpunkt kein Bundesland zum Risikogebiet erklärt wurde. Damit fällt die Entscheidung. Alpentour statt Pilgerweg.


Morgens Abreise mit der Bahn, meine Zeit für die erste Etappe ist genau kalkuliert, um ohne Eile rechtzeitig zum Check-In bei der Hütte anzukommen. Die Bahn startet mit Verspätung in Stuttgart, ich erreiche den Anschlusszug nicht und erreiche Oberstdorf mit einer Stunde Verspätung um 14:20. Check-In bei der Hütte wäre bis 18 Uhr und laut Beschreibung im Führer braucht man für die erste Etappe viereinhalb Stunden. Man könnte den Abschnitt bis zur SpielmannSau abkürzen und mit dem Bus fahren - aber schon auf der ersten Etappe? Nein. In der knappen Zeit könnte ich den Anstieg zu Fuß schaffen, wenn ich mich ein wenig beeile und keine Pause einlege.


Die SpielmannSau (mit Großbuchstabe, damit man weiß, wie man es richtig ausspricht) liegt etwa in der Mitte der ersten Etappe - von der berechneten Wanderzeit. Bis dort ist es ein gemütlicher Anstieg auf einer Teerstraße, kurz danach steigt ein alpiner Wanderweg in die Höhe. Ein Serpentinenpfad führt zu einer Schlucht, schmälere Stellen sind durch Stahlseile gesichert.
Die Kemptner Hütte ist schon in Sicht, plötzlich werde ich gestoppt, da der Weg abgesperrt ist. Ich komme mir vor wie an einem Bahnübergang und muss warten, bis eine Herde Rindviecher vorbeigezogen ist, wenig später wird der Weg wieder freigegeben. Die Ankunft um 18 Uhr habe ich um wenige Minuten verpasst. Es stellt aber kein Problem dar, ich bekomme einen Schlafplatz, ein warmes Abendessen, lerne einige andere Wanderer kennen und es entsteht ein tolles Foto für mein Album Ich und mein Traktor.
[25.8.2020] Von der Kemptner Hütte zur Memminger Hütte
Mit einem Österreicher aus Graz starte ich die zweite Etappe. Er ist Kettenraucher und leidet beim Anstieg unter Sauerstoffmangel. Bald erreichen wir den höchsten Punkt, der als Grenze zu Österreich markiert ist und beim Abstieg kommen wir im gleichen Tempo vorwärts. Bei einer Hütte auf der Rossgumpenalm begegnen wir einer tourgebuchten Wandergruppe und einer Tschechin, die ich am Vorabend bei der Kemptner Hütte kennengelernt hatte. Zu dritt setzen wir den Weg fort, um alsbald einen kurzen Umweg zu einem Wasserfall einzulegen. Sehr sehenswert.
Nach einiger Zeit gibt es die Auswahl von zwei Wegvarianten. Die eine führt an einem Wasserfall vorbei, die andere über die längste Füßgängerhängebrücke Österreichs. Eine Sensation. Für die entscheiden wir uns, einen Wasserfall haben wir ja schon gesehen. Die Brücke beeindruckt durch einen atemberaubenden Tieflick auf Baumwipfel und das Schwanken durch Windböen tut sein Übriges, dass ich froh darüber bin, an diesem Morgen kein Frühstück zu mir genommen zu haben.
Wir erreichen den Ort Holzgau, von dort könnte man sich laut Führer bis zur Basisstation der Materialseilbahn der Memminger Hütte kutschieren lassen. Das würde für mich jedoch nicht passen, sonst würde ich die E5-Alpenüberquerung im Stil einer Kreuzfahrt oder einer Neckermanntour unternehmen. Auch der Österreicher wollte die Etappe zu Fuß gehen. Beim Taxifahrer, der gerade eine Gruppe von Müßiggänger-Alpinisten einsammelt, frage ich nach der Richtung, die wir durch den Ort nehmen müssten. Dieser ist aber nicht sehr hilfreich und behauptet, es wären 18 km zur Materialseilbahn. Mein GPS dagegen berechnet insgesamt 13 km bis zum Ziel, zur Memminger Hütte. Äußerst geschäftstüchtig. Von einer Bardame eines Etablissemens für regionale Kost bekommen wir jedoch die nützliche Information, dass wir einfach dem Flusslauf folgen müssten.
Der Weg parallel zur Landstraße und durch Dörfer zieht sich hin, bis eine Abzweigung rechts aufwärts führt. Immer wieder rauschen Taxibusse an uns vorbei, die wanderfaule Alpinisten kutschieren und nach einigen Stunden bin ich immer noch mit dem Österreicher zu Fuß unterwegs, ohne dass von der Materialseilbahn etwas zu sehen ist. Zu spät erkenne ich meinen Fehler bei der GPS-Angabe - das Ziel Memminger Hütte ist weiter entfernt, denn der Abschnitt mit der Materialseilbahn ist nicht einberechnet und auf dem Routenplaner nur als rote Linie zu sehen. Der Aufstieg steht uns noch bevor und jetzt müsste man sich beeilen, um noch vor halb Acht und für ein warmes Abendessen bei der Alpenvereinshütte anzukommen. Bei dem Schneckentempo, das mein Begleiter vorlegt, eine Illusion.
Um den Aufstieg in 2 Stunden zu schaffen, bleibt mir nichts anderes übrig, als den Österreicher zurückzulassen und erreiche den idyllischsten Platz, an den man eine Alpenvereinshütte hinstellen könnte. Dort treffe ich die Tschechin wieder und genieße das warme Abendessen. Mit Erleichterung erfahre ich kurz vor 21 Uhr von der Ankunft des Österreichers. Er hat den Aufstieg sogar in weniger als den geschätzten 4 Stunden geschafft.
Die Memminger Hütte befindet sich auf einer grünen Hochebene, eingerahmt von Bergkämmen. Ein wahres Alpenparadies.
[26.8.2020] Von der Memminger Hütte nach Zams
Zu dritt geht es frühmorgens los. Die Tschechin, der Österreicher und ich kämpfen sich einen Serpentinenweg mit Kletterstellen empor bis zu einem Geröllhang, den man teils auf allen Vieren überwinden muss.
Am höchsten Punkt befindet sich eine Bergscharte. Zurück blickt man auf die Ebene der Berghütte, in der anderen Richtung ist der Abstieg ins Tal zu erkenenn, der uns bevorsteht. Dieser hat es in sich und führt 2 Stunden lang über einen instabilen Geröllhang. Ein Weg, auf dem sich oft furchtbare Blasen entwickeln. Doch wie es scheint, ist es von Vorteil, Schuhwerk zu haben, an das sich meine Füße schon lange gewöhnt haben. Meine 12 Euro-Sportschuhe vom Decathlon sind ihren Preis wirklich wert.
Wir kommen an einem Schneefeld vorbei und das im August. Hier oben hat die Natur den Hochsommer noch nicht bemerkt. Der Geröllhang, auf dem man jeden Moment abrutschen kann, setzt besonders der Tschechin zu, obwohl sie ziemlich gut klettern kann. Auf dem instabilen Untergrund scheint sie eine Art Höhenangst zu befallen.
Nach einem Stop auf einer Bergalm, bei der wir die Bekanntschaft mit einer Rumänin und einer Inderin machen, geht es durch einen Wald. Anschließend führt uns der Weg an einer schmalen Bergkante entlang. Auf der linken Seite blickt man auf die Bergwand, rechts mehrere hundert Meter in die Tiefe. Eigentlich sind solche Tiefblicke spannend, doch nach der ersten Stunde entlang der Felskante wird mir flau im Magen, nach der zweiten zunehmend übel. Dort begegnen wir der Inderin, die von der Rumänin zurückgelassen wurde. Wir überlegen, wie wir ihr helfen könnten, doch da sie sich an den schmalen Stellen in der Geschwindigkeit eines Faultiers fortbewegt, würden wir Zams erst nach Mitternacht erreichen. Für eine alpine Tour ist die Inderin definitiv nicht geeignet. Die Tschechin tauscht sicherheitshalber mit ihr Telefonummern aus, um sie später zu kontaktieren.
Als wir Zams schon in der Tiefe sehen, bricht der Österreicher zusammen und umklammert sein Knie. Er klagt über höllische Schmerzen, keinen Schritt weiter könnte er tun. Was nun? Bergrettung verständigen? Die könnten auch gleich die Inderin aus der Felswand retten, da die Wahrscheinlichkeit dagegen spricht, dass sie überhaupt in Zams ankommen würde. Nach einer Weile schafft es der Österreicher, sich aufzurichten. Damit wir eine realistische Chance haben, am Ziel anzukommen, schultere ich zusäzlich noch seinen Rucksack. Die Tschechin hatte schon oben in der Skihütte von Zams einen Platz für sich reserviert, wir zwei anderen könnten auch dort unterkommen und uns vom Inhaber abholen lassen, wie wir telefonisch erfahren. Vorausgesetzt, es könnte uns sofort abholen. Doch wir wollten noch auf die Inderin warten. Dann ginge es nur mit dem Taxi, erklärt uns der Inhaber. Bei einem Abendessen in Zams fragen wir nach der Taxifahrt - die würde eine Stunde dauern und 80 Euro kosten. Spätestens um 22 Uhr könnten wir an der Skihütte ankommen. Zu teuer und wir würden zu spät ankommen. Auf die Schnelle quartieren wir uns zu dritt in einem Hotelzimmer ein.
[27.8.2020] Von Zams zur der Braunschweiger Hütte
Morgens überlegt der Österreicher, wegen der Schmerzen im Knie die Tour abzubrechen. Dann, ob er es vielleicht doch noch versuchen könnte, wenn er einiges an Überlüssigem entsorgen könnte, um das Gewicht seines Rucksacks zu reduzieren. So lässt er Klopapierrollen, viele Packungen mit Tempotaschentüchern zurück und leert das meiste seiner Shampoo-Großpackung ins Waschbecken. Er hat auch ein nagelneues spezialleichtes Zelt dabei, doch dies für 600 Euro will er genausowenig zurücklassen wie seine GPS-Armbanduhr im Wert von 500 Euro - für das er unpraktischerweise das Ladegerät zuhause vergessen hat. Als er weiter erzählt, er hätte Unsummen in Zeltunterlage, Lightweight-Isomatte, Regenjacke, Rucksack investiert, kann ich kaum glauben, welche Spitzenbeträge man für Spitzenaustattung ausgeben kann, die er zum großen Teil umsonst mitschleppt.
Wir lassen uns mit der Bergbahn hochbringen und wählen die einfachere Variante über den Panoramaweg. Die anspruchsvollere Alternative würde uns über den Berggrat führen, doch Abenteuer hatten wir am Vortag genug. Zudem macht sich bei mir Muskelkater bemerkbar, wahrscheinlich durch das Zusatzgewicht am Vortag. Beim Abstieg nach Mittelberg treffen wir einige Wanderer, darunter die Rumänin. Auf die Frage, warum sie ihre Freundin alleine zurückgelassen hatte, erfahren wir, dass es Streit zwischen ihnen gab - einige Zeit hatte sie auch den Rucksack ihrer Begleiterin getragen, die sich trotzdem nicht schneller fortbewegt hätte als ein Faultier. Die Inderin hätte behauptet, reichlich Erfahrung mit alpinen Touren zu haben und sie dazu überredet, sie auf diese Tour mitzunehmen. Als die Rumänin erzählt, dass sie öfters Trailrunning-Touren unternimmt, eine Art Alpenmarathon, erscheint mir dieses Zweierteam absurd. Wie Hase und Igel.
Im Ort Wenns nehmen wir den Linienbus nach Mittelberg. Das ist nicht geschummelt, um unsere Füße zu schonen, sondern folgt der offiziellen Wegbeschreibung. Zu Fuß wäre es eine zusätzliche Etappe. Die Fahrt führt uns zur Basisstation des Mittelberggletschers. In einer Alm verabschiedet sich der Österreicher von mir und der Tschechin endgültig. Physisch ist er vollkommen fertig und per Ferndiagnose hatte er erfahren, dass die Schmerzen in seinem Knie durch eine Entzündung des Miniskus verursacht würden. Diesen Aufstieg zu wagen würde definitiv einen Einsatz der Bergrettung erfordern. Für ihn wäre diese sogar kostenlos, da er dafür extra eine Versicherung abgeschlossen hatte.

Es gibt eine Materialseilbahn, mit der man seinen Rucksack zur Braunschweiger Hütte hinauftransportieren kann. Einige nutzen diese Möglichkeit und platzieren ihr Gepäck in einer Art übergroßem Sarg. Als eine Wanderin schon nach der Fernsprechanlage greift, um das Personal auf der Hütte zu verständigen und die Bahn in Betrieb zu setzen, kommt plötzlich der Österreicher angerannt, packt hektisch seinen Rucksack um und erklärt, er wolle jetzt doch den Weg fortsetzen. Mit Entsetzen beobachte ich ihn bei seiner Wahnsinnstat. Wahrscheinlich hat ihn bei der dünnen Luft in dieser Höhe der Höhenkoller ereilt. Seine Motivation, diesen Weg zu gehen, hatte er mir zuvor so erklärt, dass er an seinem Stammtisch verkündet hätte, er würde diesen Weg schaffen, während seine Kollegen ihm nicht einmal zugetraut hätten, eine einzige Etappe zu schaffen. Um seinen Erfolg später beweisen zu können, hatte er unterwegs ständig Wegweiser fotografiert.

Heute werde ich vielleicht eine Bergrettung mit Hubschraubereinsatz live erleben.
Nach einem Kletterpfad an einem Wasserfall vorbei geht es einen Serpentinenpfad beständig aufwärts. Bis auf den atemberaubenden Tiefblick und einigen Kletterstellen, an denen man sich an Stahlseilen festhalten kann, ist dieser Aufstieg nicht wirklich schwierig. Und weitgehend ungefährlich, ganz anders als die Etappe vom Vortag.
Die Braunschweiger Hütte, erfahre ich, ist die am höchsten gelegene Alpenvereinshütte und liegt oberhalb eines Gletschers. Zum Abendessen wird man bei den Hütten im Zufallsprinzip einem Tisch zugeteilt, dort lerne ich eine Gruppe von vier gutgelaunten Holländern kennen. Sie hätten eine Gletscherwanderung unternommen und einer aus ihrer Gruppe wäre in eine Gletscherspalte gefallen, den sie zum Glück aber wieder lebend herausziehen konnten. Gamsbärte nennen sie sich. Wie sie zu dem Namen gekommen sind, demonstrieren sie, indem jeder sein Kinn in frisch serviertes Weizenbier taucht. Vier weiße Schaum-Gamsbärte. Eine lustige Truppe.
[28.8.2020] Von der Braunschweiger Hütte zur Talhütte Zwieselstein
Kurz nach dem morgendlichen Aufbruch sind bei einer Klettertour mit dem Gletscher im Hintergrund Tiere zu sehen, die Bibern ähneln. Doch Biber leben nicht in dieser Höhe. Murmeltiere! Noch nie hatte ich diese in freier Natur gesehen.
Auf einem weiteren Anstieg erkenne ich erneut besondere Tiere, eine ganze Herde. Dem Geweih nach können es nur Gämsen sein, die an diesem Abhang umherklettern. Kurz überlege ich, die Tiere aus nächster Nähe zu fotografieren. Doch diese Idee verwerfe ich schnell, denn die kräftig aussehenden Gamsböcke sind auf diesem steilen Gelände sehr geübt und könnten mich leicht den Hang hinunterschubsen.
Die Kletterei zum höchsten Punkt macht Spaß, ist spannend, doch beim Abstieg wartet eine böse Überraschung.
Der Abhang ist ein Felsenmeer aus Trümmern, an dem man lieber jeden Stein vorher prüft, ob er auch fest sitzt, wenn man sich daraufstellt. Eine brenzlige Stelle ist mit Stahlseilen gesichert. Normalerweise gibt es auch Felsen, auf die man seinen Fuß setzen kann. Diese Stelle besteht aber nur aus steil abfallendem feinkörnigen Kies. Doch in der Mitte erkenne ich einen Stein. Er scheint wacklig, daher klammere ich mich am Seil fest und schaffe es trotz aller Bedenken hinüber.

An dieser Stelle ist eine Plakette angebracht, die an Hannibals Alpenüberquerung mit 37 Elefanten erinnert. Was für eine absurde Idee, in dieses Gelände auch noch Elefanten mitzubringen.
Nebenbei erwähnt - so schwer der Weg auch ist, es sind äußerst attraktive Wanderinnen unterwegs.
Da die Tschechin zuvor alleine wandern wollte, war ich vorausgegangen und von unten sehe ich nun, wie sie die gefährliche Stelle erreicht. In dem Moment löst sich dort eine Steinlawine und rauscht mit Getöse in die Tiefe. Der wackelige Stein scheint sich gelöst zu haben. Wenn nur noch das Stahlseil bleibt, müsste sie ihr eigenes Gewicht und den Rucksack tragen, um hinüberzuklettern. Mit anderen Wanderern beobachte ich von unten, wie sie sich einige Minuten bemüht, die Stelle zu überqueren, bis sich eine weitere Steinlawine löst. Nach dem Versuch winkt sie mir zu und kehrt um. Mir ist klar, dass sie auf diesem instabilen Untergrund kein weiteres Wagnis mehr unternehmen wird und zur Braunschweiger Hütte zurückkehrt.
Am Ende des Abstiegs erwartet einen ein vollkommen verschandeltes Gelände mit einem riesigen Parkplatz und einer Skifahrerlounge. Sogar ein Lift ist in Betrieb, eine Abfahrt wurde zur Hälfte mit Kunstschnee präpariert. Die Reste eines Gletschers sind zu sehen, dessen Oberfläche noch etwas planiert werden muss, damit Skifahrer beim baldigen Saisonbeginn dort ihre Pirouetten drehen können.

Bei einer Pause in der Lounge treffe ich den Österreicher wieder, der es irgendwie trotz des lebensgefährlichen Abstiegs hierhergeschafft hat. Er wird aber nicht mehr weiterwandern und den Bus nach Zwieselstein nehmen.

Als ich weiter zu Fuß absteige, stelle ich fest, er hatte eine gute Entscheidung getroffen. Nachmittags setzt Regen ein, der für den heutigen und die weiteren Tage bereits vorhergesagt war. Mitten in einem Wald treffe ich überraschend die Tschechin wieder. Sie war wie vermutet umgekehrt und von der Braunschweiger Hütte abgestiegen, um mit dem Bus zu fahren. Sie war aber früher ausgestiegen, um am letzten Tag noch ein Stück zu wandern.
Das Regenwetter setzt sich durch und bei der Ankunft in Zwieselstein ist meine Entscheidung, dass ich nicht mehr weiterwandere, endgültig, die meiner Begleiter ebenso. Um Gewicht zu sparen, hatte ich nur Sommerkleidung mitgenommen. Bei Regen macht es keinen Spaß und ist teils sogar gefährlich. Das Donnern verleiht der Entscheidung deutlichen Nachdruck. In den Alpen ist Gewitter noch wesentlich gefährlicher.

Die Talhütte Zwieselstein wird von einer sehr sympathischen Österreicherin betrieben, die erzählt, dass der tosende Fluss, der an der Hütte vorbeiführt, sehr beliebt bei Kanufahrern ist. Einige Mutige wurden leblos daraus geborgen, unter ihnen mehrere Weltprofis. Der Strömung zuzuschauen und sich eine Fahrt mit dem Kanu darin vorzustellen ist atemberaubend.

Am morgen darauf folgt der Abschied. Die Tschechin hatte vor, weiter nach Italien zu fahren, um dort Freunde zu besuchen und Venedig zu besichtigen. Der Österreicher kehrt zurück nach Graz und ich nach Karlsruhe.

Fünf intensive Wandertage. Im Gegensatz zu den Pilgerwegen empfehle ich diesen Weg nicht. Wer alpine Touren schon vorher unternommen hat und überzeugt ist, dass er die E5-Alpenüberquerung unternehmen will, findet auf dem Weg eine besondere Herausforderung. Bei Schlechtwetter auf keinen Fall empfehlenswert.