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Galizien, Camino Portugés
[21.8.2013] Von Tui nach Redondela
Bisher waren wir nur ab und zu Pilgern begegnet. Ab Tui ändert sich das in Massenpilgertourismus.
Zur 100-km-Grenze, die Entfernung, die für die Compostela zurückgelegt werden muss, ist es nicht mehr weit.
Als wir am frühen Nachmittag ankommen, ist die Herberge schon voll belegt. Wir kommen in einem Privathaus unter und eine Matratze dient als Unterkunft auf dem Dachboden. Ein österreichischer Pilger und unsere beiden Pilgerinnen kochen für alle eingelegte Zucchini und Pasta Bolognese. Zum Schluss gibt es noch ein flambiertes Getränk, eine Art Grappa mit Kaffeebohnen und anderen Zutaten.
[22.8.2013] Von Redondela nach Pontevedra
Es sind inzwischen Massen an Pilgern unterwegs, wir kommen an einer Gruppe von ca. 10 religiösen vorbei, die das Vaterunser herunterbeten und dann weiterziehen. Pontevedra wirkt ziemlich heruntergekommen, bis auf das Zentrum mit der Altstadt.
Die Herberge ist am frühen Nachmittag schon voll belegt, wahrscheinlich zum großen Teil mit Pilgern, die hier mit dem Zug angekommen sind.
[23.8.2013] Von Pontevedra nach Caldas de Reis
Caldas de Reis ist regional bekannt für seine Thermalquellen, der Ort selbst nicht besonders interessant.
Wir hatten von anderen gehört, dass es in dem Ort einem Fluss gibt, in dem man baden kann. Ein Spanier empfiehlt uns, ein längeres Stück Flussaufwärts zu wandern. Hier kommen wir an runden Felsen vorbei, in der Art, wie ich sie auf der Busfahrt nach Lissabon gesehen habe.
Zum Schluss kommen wir an einen Wasserfall. Der Ort ist überwältigend - wie ein großer Aqua-Park, nur dass dieser natürlich entstanden ist. Es gibt ein großes Badebecken zum planschen und tauchen, man kann man sich in einer Rinne im Felsen von der Strömung treiben lassen. Mein Favorit ist die lange Wasserrutsche; man muss ein Stück aufwärts klettern, in den Flusslauf steigen und kann ca. 10 Meter abwärts rutschen. Theoretisch auch mehr, erscheint mir wegen dem stärkeren Gefälle aber zu gefährlich.
[24.8.2013] Von Caldas de Reis nach Teo
Lange Zeit wanden wir, ohne ein Café zum Frühstücken zu finden. Dann kommen wir an einem etwas seltsamen Etablissement vorbei, verziert mit vielen, vor allem Flaggen mit deutschem Hintergrund, unter anderem eine riesige mit der Aufschrift "Kreuzritter". Als wir uns setzen, werden wir von einem aggressiven Schäferhund angebellt.
Weil uns auch der Besitzer dieses Etablissements etwas sehr merkwürdig erscheint, entscheiden wir uns dagegen, hier zu bleiben und ziehen weiter.
In Padrón soll der heilige Jakob einige Zeit gepredigt haben, ca. 600 Jahre nach seinem Ableben in Jerusalem. Hier gäbe auch eine Herberge, um die Tagesetappe abzuschließen. Da wir aber am nächsten Tag um 12 Uhr in der Messe sein wollen, wandern wir weiter, damit die finale Etappe möglichst kurz wird.
Der letzte Abschnitt nach Teo ist einer der attraktivsten des Camino Portugues.
Als wir in Teo ankommen, hören wir, die Herberge wäre schon voll belegt. Eine Gruppe von deutschen Pilgern, die wir schon vorher kannten, war um 3 Uhr nachts gestartet, um hier noch Vormittags anzukommen.
Darunter auch das Monster.

Auf Nachfrage bekommen wir dann doch noch Schlafplätze - unsere zwei Pilgerinnen Betten und wir drei Pilger Matratzen unten im Korridor des Eingangsbereiches. Die besten Schlafplätze, wie sich bald herausstellt. Denn diese Nacht wird das Monster wieder aktiv. Den Namen hat der Pilger um die 50 erhalten wegen extrem lautem Geschnarche.
Spät abends hören wir ein lautes Grunzen aus dem ersten Stock, in dem sich der Schlafraum befindet. Eine halbe Stunde später von oben Diskussionen und immer wieder "oooh my god" und nebenher das laute Grunzen. Einige Zeit später kommen mehrere Leute die Treppe herunter und schleppen ihre Matratze mit, um ebenso einen Schlafplatz im Korridor einzurichten. Zum Schluss ist der ganze Eingangsbereich mit Matratzen belegt, im Schlafraum liegt fast keiner mehr - bis auf das Monster.
[25.8.2013] Von Teo nach Santiago
Wir kommen rechtzeitig zur Mittagsmesse - zum ersten Mal sehe ich die Botafumeiro in Aktion, hatte ich letztes Jahr verpasst. Nur an besonderen Tagen wird der Weihrauchschwenker eingesetzt. Oder wenn jemand 160 Euro zahlt.
Die anderen 4 Pilger aus meiner Gruppe hatten geplant, in Santiago keine Nacht zu verbringen und wollen später mit dem Bus nach Finisterre und an den Strand fahren. Ich wollte auf jeden Fall noch bleiben und erst an nächsten Tag weiter. Nachmittags fängt es an zu regnen - deswegen entscheiden sich die anderen, auch zu bleiben. Genau so hatte ich mir das gewünscht.
Abends gibt es neben der Kathedrale noch ein Konzert mit Live-Rockmusik.
[26.8.2013+27.8.2013] Finisterre
In Finisterre gibt es zwei große Sandstrände, gelegen an den zwei gegenüberliegenden Küsten der Halbinsel. Der Playa del Muerte, von beiden Seiten umrahmt von Steilküste, befindet sich etwas abseits der Zivilisation. Wie auch seine Bewohner.
Im Felsen befindet sich eine Höhle, die von Hippies bewohnt wird. Nur ein paar Meter von der Höhle entfernt mündet ein kleiner Bach mit Trinkwasserqualität in den Ozean. Perfekt zum kalt duschen, abwaschen oder um Wasservorräte auffrischen.
Die Italienerin, die uns am Anfang des Camino begleitet hat, treffen wir hier wieder am 'Strand des Todes' - sie hat sich bei den Hippies inzwischen gut eingelebt.
Wir entschließen uns, hier zu campen, statt die Nacht in einer Herberge zu verbringen. Bei einem Chinesen-Shop besorgen wir Matten, eine Decke und ein 3-Mann-Zelt für uns, aktuell 6 Personen. Genügend Platz haben wir im Zelt dennoch, da zwei unter freien Himmel übernachten und die Italienerin in der Hippie-Unterkunft.
Nachts durchgehend eine steife Brise - das Zelt flattert die Nacht durch und es fröstelt. Die deutsche Pilgerin aus unserer Gruppe schenkt mir ihren Pullover - neonhellblau. Den ziehe ich nur an, wenn es vor Kälte nicht mehr auszuhalten ist oder mich niemand sieht.
[28.8.2013+29.8.2013] Zurück in Santiago
Mit der Ungarin, die am nächsten Tag nach Lissabon abreisen muss, fahre ich wieder nach Santiago und wir kommen im Seminario Menor unter - der größten aber wenig attraktiven Herberge - die besseren Alternativen waren schon ausgebucht.
Nächster Morgen.
Auf dem Platz der Kathedrale sehe ich einen Pilger mit Zopf, kommt mir bekannt vor. Ein Italiener, den ich vom letzten Jahr kenne. Mit ihm kommt eine andere Ungarin - für beide Ungarinnen das erste Mal auf dem Camino, dass sie Landsleute treffen.
Etwas später nehme ich den Bus in Richtung Norden. Habe noch eine Woche bis zum Abflug, etwas recherchiert für was ich noch Zeit hätte und mache mich auf den Weg zum Camino Inglés