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Wieder in Santiago
[7.12.2012] Von Pedrouzo nach Santiago
Von Pedrouzo sind es bis Santiago nur noch etwa 18 Kilometer. Den Weg kenne ich noch vom Sommer - moosüberwachsene Bäume, Eukalyptuswälder. Die Kanadierin ist schon lange vor uns gestartet, 5:30 wollte sie los - nicht wie ich und die Franzosen den Sonnenaufgang um 9:00 abwarten. Jakob, meinen die, wäre der erste Pilger gewesen, der nach Santiago gepilgert ist.. egal - man weiß über ihn ja nicht einmal welche der vielen Legenden überhaupt wahr sind - nur eines ist sicher, das Ziel der Pilger ist eine der großartigsten Städte die es auf der Welt gibt.
Zuerst laufen wir in Richtung Kathedrale, daran vorbei dann zum großen Platz im Zentrum, wo sich alle Pilger treffen. Der Kanadierin begegnen wir dort gleich und wir machen uns zusammen gleich auf den Weg zum Pilgerbüro, um unsere Urkunden ausstellen zu lassen. Ich lege den Pilgerausweis mit den Stempeln vom Camino vor und bekomme von einer netten Dame dort auch gleich die Compostela ausgestellt. Sie erklärt mir dabei, auf der in Latein geschriebenen Urkunde ist mein Name in lateinischer Form eingetragen. Das Dokument überfliege ich kurz und sehe, dass mein Vorname 'Michael' in lateinischer Übersetzung dann 'Ruben' lautet - fand ich etwas verwirrend, die kennen sich aber auf jeden Fall um einiges besser aus als ich.
Mit der Compostela, der einen als echten Pilger ausweist, bekommt man im luxuriösesten Hotel am Platz ein kostenloses Pilgeressen - war ein Geheimtipp einer Hospitalera & ist eine Tradition des ehemaligen Klosters, die aufrechterhalten wurde - dort wollen wir abends zusammen hingehen.

Ich bin gerade dabei, meine neu erworbene Urkunde sorgfältig einzupacken, da ruft mich die Dame vom Pilgerbüro zurück - sie meint, mit meinem Pilgerausweis gäbe es vermutlich ein Problem.
Verunsichert überlege ich - weil ich einen Stempel zu wenig habe? Für die letzten 100 km sind täglich zwei verschiedene erforderlich. Oder weil bei 2-3 Stempeln ein wichtiges Detail, das Datum, nicht eingetragen ist?
Sie fordert nochmal, den Pilgerausweis zu sehen. Bei der Kontrolle meint sie, der Name stimmt nicht mit dem überein, den ich in der Liste eingetragen habe. Außerdem sei das den Stempeln nach auch nicht der Camino Primitivo.
Da kommt mir - wieder mal - eine Erleuchtung: Der Pilgerausweis - den ich vorgelegt habe - gehört einem der Spanier, denen ich Tags zuvor begegnet bin. In der vorherigen Herberge müssen wir diese bei der Anmeldung versehentlich vertauscht haben.
Dann wird der Pilgerausweis und die ausgestellte Compostela konfisziert. Falls der spanische Pilger mit meinem Ausweis auftaucht, wird mir im Büro gesagt, wissen alle Bescheid. Und, wenn ich später nochmal vorbeikomme, kann ich eventuell meinen eigenen Pilgerpass wiederbekommen.
Die zwei Franzosen, die Kanadierin und ich gehen danach als erstes in eine Mexikaner-Bar zum Feiern, dort kostet jedes Bier 1 Euro. Später schaue ich nochmal beim Pilgerbüro vorbei und ich habe Glück, der Spanier war in der Zwischenzeit dort. Meinen richtigen Pilgerausweis bekomme ich wieder und dazu auch die Compostela ausgestellt, die ich für das Gratis-Pilgeressen brauche, und gehe mit den anderen zusammen zu dem Hotel, das die Hospitalera auf dem Camino uns genannt hatte.
An den späten Abend kann ich mich soweit erinnern, das wir zuerst in einer Bar bei einigen Bieren gefeiert haben, dort 4 nette Spanierinnen kennengelernt haben, mit denen dann in die nächste Bar weitergezogen sind, danach dann noch in 3 verschiedenen Musikclubs waren. In denen jedes Bier zwischen 1,50  und 2 Euro kostet. Und dass die eine Spanierin gar keine war, sondern in Santiago studiert und ursprünglich aus Heidelberg kommt. Das war das einzige Mal auf dieser Tour, dass ich jemand aus Deutschland getroffen habe.
[8.12.2012] Santiago der 2.te Tag
Morgens um 10 Uhr weckt uns der Herbergsverwalter freundlich, wir müssten das Zimmer verlassen und unsere Sachen etwas beiseite räumen, da der Putzdienst in das Zimmer müsste.
Ich habe einen ziemlichen Brummschädel - hatte in den Bars insgesamt etwa 20 Euro ausgegeben, das kann man bei den Preisen leicht in die Mindestanzahl Biere umrechnen.
Die Kanadierin erzählt, sie und der eine Franzose waren schon früher um ca. 3 Uhr zurückgegangen und hatten dann noch die Idee gehabt, mit der Slackline im Park in der Nähe balancieren zu gehen. Die Slackline hatte der eine Franzose auf den Camino mitgenommen, die letzten 14 Tage wegen Dauerregen aber nie verwendet.
Mit dem anderen französischen Pilger wäre ich erst um 5 Uhr aufgetaucht, als sie schon wieder zurück in der Herberge waren.
Die Franzosen reisen mittags ab, die Kanadierin und ich holen nachmittags ca. 5 Stunden lang den fehlenden Schlaf nach. Abend beeilen wir uns, um noch rechtzeitig um 19 Uhr zum Gratis-Pilgeressen zu kommen. Dort sehe ich die 3 spanischen Pilger wieder, die ich am Anfang des Camino, kurz hinter Oviedo kennengelernt habe. Die Kanadierin trifft hier 2 andere Pilger aus Kanada, die sie vom Camino Francés kennt. Mit denen gehen wir danach noch in ein Café.