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Weiter durch die Region Asturien durch Tiefschnee und bei Unwetter
[28.11.2012] Von Bodenaya nach Campiello
Nachts wird es eiskalt und ein Gewitter zieht auf, das dann ganzen Tag anhält, das Starkregen und Schnee mit sich bringt. Der Camino ist durchgehend überflutet. Um die Bäche und Seen, in die er sich verwandelt hat, muss man herumbalancieren. Oder über Stacheldraht klettern und den Umweg über die Felder nehmen.
Vor Beginn hatte ich mir die Wanderung im Winter als Kontrast zum Camino im Sommer vorgestellt, ein absolut anderes Abenteuer, ein wenig begangener Weg, alpine Wanderungen und schwierige Wetterbedingungen als besondere Herausforderung. Vor allem ein Wunsch war wichtig, genug Schnee, um einen Schneepilger zu bauen. Auf Jakob kann man sich verlassen, meine Wünsche wurden alle schon am dritten Wandertag erfüllt.
Bei Tineo zeigt sich kurz die Sonne für ein paar Minuten, dann holen mich die Gewitterwolken wieder ein und es gießt in Strömen. Ein paar Spanier in den Ort amüsieren sich darüber, dass man bei dem Wetter eine Wanderung unternimmt.
Dann geht es in eisige Höhen, in denen der Regen in Schnee wechselt, die Wanderung führt durch knietiefen Schneematsch. Etwas Schnee hatte ich mir ja gewünscht, aber nicht Unmengen. Das letzte Stück nach einer Kreuzung laufe ich an der Landstraße entlang - nach unzähligen Malen ausrutschen und anhaltendem Schneeregen ist das deutlich angenehmer, zusätzlich auch eine Abkürzung zum Camino.
Die Franzosen sind wieder vor mir in der Herberge angekommen - beide sind Skilehrer aus einem Ort am Fuß des Mount Blanc - Berufssportler, bei denen es schwierig ist mit dem gleichen Tempo zu folgen.
[29.11.2012] Von Campiello nach Berducedo
An Rinderfarmen vorbei laufen wir zu dritt, bis der Camino sich in zwei Alternativrouten teilt, eine davon flacher und 4 km länger, die andere dafür wesentlich höher gelegen. Die Hospitaleros in beiden vorherigen Herbergen hatten uns eindringlich gewarnt, an einer Stelle rechts anzubiegen und den alpinen Weg zu nehmen. Wegen der schlechten Wetterverhältnisse entscheiden wir uns hier für die flachere Variante.
In Pola de Allande entschließt sich der eine Franzose wegen schwerwiegenden Knieproblemen, für den Rest der Etappe den Bus zu nehmen.
Der zweite Franzose läuft voraus, um einiges schneller - ich lasse ich mir mehr Zeit, da ich mit dem Tempo sowieso nicht mithalten kann und es unterwegs einige Kastanien zu sammeln gibt. Hier finde ich die Riesenkastanien, die man sonst nur als Import aus der Türkei kennt. Und die in Unmengen.
Anfangs ist der Weg ziemlich idyllisch, durch Felsen am einem Fluss entlang. Irgendwann wird der Camino selbst zum Fluss oder es sind breite Sturzbäche zu überqueren. Mir wird die Bezeichnung 'Primitivo' klar, hier muss man sich seine Brücken selbst bauen, zumindest im Winter. Oder geschickt darüber balancieren. Was mir nicht ganz gelingt, einmal abgerutscht und beide Schuhe sind mit Wasser gefüllt.
Weiter geht es länger aufwärts, erst etwas Schnee, zunehmend mehr - beim Gehen die Spuren des Französischen Pilgers zu verwenden, ist hier eine Erleichterung. Irgendwann endet der Pfad auf der befahrenen Straße.
Ein paar Meter weiter zeigt die Markierung dann von der Straße ab, aufwärts auf einen schneebedeckten Pfad. Nicht gerade begehbar, doch dort sind wieder die Fußspuren des Franzosen im Tiefschnee zu erkennen und hier führt auch der Camino entlang - also weiter und dem markierten Pfad folgen. Erst geht es über ein paar Serpentinen steil aufwärts, dann geradeaus bergauf, gelegentlich durch kleine Ansammlungen von Gebüsch und Tannen.
Hört der Weg durch den Tiefschnee auch irgendwann auf? Es ist nicht zu erkennen, wo der Weg hinführt. Dazu wird es zunehmend neblig.
Die Fußspuren führen weiter in der Richtung der ich folge, aber es führen keine zurück. Das gibt mir zumindest die Sicherheit, dass der Weg keine Sackgasse ist. Eine Rast zu machen ist hier nicht möglich, wenn ich ein paar Sekunden stehen bleibe, fangen die Füße an einzufrieren.
Nicht viel denken, einfach auf die Fußspuren achten und im stetigem Tempo weiter, Kilometer für Kilometer.
Mit kommt eine Erleuchtung:
Genau dieser Pfad ist es, nicht der andere, vor dem die zwei Hospitaleros gewarnt haben! Von wegen gefährlich - der Weg ist unbegehbar. Irgendwann sehe ich im Nebel über mir etwas metallisches glänzen - eine Leitplanke! Eine Straße, also nicht komplett in der Wildnis verirrt, und es gibt eine Möglichkeit der weissen Hölle zu entkommen. Die Markierung des Camino zeigen nach rechts, die Spuren der Franzosen führen in Richtung Leitplanke.
Ein Notausgang.
Den Spuren folge ich - was nicht ganz einfach ist, selbst auf allen Vieren ist es schwierig sich auf dem steilen Gelände aufwärts zu bewegen. Endlich, auf einer von Schnee geräumten Straße angekommen!
Abwärts über die Serpentinen - irgendwann kreuzt der Camino die Straße, führt steil abwärts durch Tiefschnee, davon habe ich genug - folge weiter der Straße. Als sich der Nebel lichtet, hat man eine beeindruckende Aussicht auf das umgebende grüne Gebirge von Asturien mit schneebedeckten Höhen. Äußerst eindrucksvoll. Komme durch Montefurado, von dort sind es nur noch 10 km bis zum Ziel - bzw. eine einfache Wanderung auf der schneefreien Straße. Der Camino verläuft parallel, aber weiter durch Tiefschnee. Kurz nach Einbruch der Nacht komme ich erleichtert in Berducedo an nach ca. 40 km einer etwas anstrengenden Wanderung und treffe die zwei anderen Pilger wieder.
[30.11.2012] Von Berducedo nach Grandas de Salime
Die nächste Etappe führt zuerst ein Stück aufwärts. Dann abwärts an der Straße entlang, später über durchnässte Kuhweiden, bei denen man die Wahl hat entweder durch Schneematsch zu laufen oder durch frischen Kuhdung.
Wir laufen zu zweit, der andere Franzose ist heute mit seinen Knieproblemen nicht in der Verfassung zu wandern und muss den Bus nehmen. Weiter geht es ein langes Stück über einen Serpentinenweg durch Kastanienwälder bergab. Ich lasse den anderen wieder vorauslaufen, dann habe ich Zeit Kastanien zu sammeln und Fotos aufzunehmen.
Am tiefsten Punkt des Camino befindet sich dann ein großer Stausee, ich nehme ein paar Fotos von dem Staudamm senkrecht nach unten auf - beeindruckend, aber vor allem ziemlich schwindelerregend.
Von hier an führt der Weg an der Straße wieder bergauf, ewig lange Serpentinen entlang, bis man sich wieder auf der Höhe befindet.
Ein kurzes Waldstück, dann ist es nicht mehr weit bis zur Herberge. Die ist ziemlich neu und gemütlich eingerichtet - die beiden Franzosen haben Reis mit Gemüse und Fisch gekocht, dazu eine Flasche Wein, und ich kann bei denen mitessen. Sehr erholsamer Abend, später probieren wir noch ein paar Bars in dem Ort aus und genehmen uns dort einige Biere.